Karins Leben

Diese Geschichte erzählt, wie Karin als Wellensurferin und Ausbildnerin lernte, ihre oft lebensbedrohlichen gesundheitlichen Herausforderungen zu bewältigen. 

Karin ist in am Bodensee aufgewachsen und hat an der Pädagogischen Hochschule Ror­schach studiert. Während ihrer Arbeit als Primar­lehrerin interessierte sie sich speziell für Erlebnis­pädagogik und schrieb auch ihre Abschlussarbeit darüber. 

Aus gesundheitlichen Gründen und wegen ihres Interesses am Wellensurfen zog Karin nach Australien. Dort schloss sie das Studium zum Outdoor Educator ab und erreichte damit ihr Ziel, in der Wildnis erlebnispädagogisch zu unterrichten. 

Dabei war Karin das nachhaltige Leben im Einklang mit der Natur wichtig. Dies wollte sie auch den Kindern und Jugendlichen nahebringen. So begann sie an der Griffith Universität in Brisbane das Masterstudium Umwelterziehung und schloss dieses mit einer Auszeichnung für ihre Arbeit ab. 

 

In ihrer Tätigkeit als Lehrerin/Coach unterrichtete sie Oberstufenschüler, Lehrlinge, Universitätsstudenten und Erwachsene vor allem in den Bereichen Leadership, Outdoor-Survival, Teamwork, Wassersport und Surf-life-saving.

Wellensurfen betrieb Karin anfangs als Ausgleich und Hobby. Die Aufenthalte am und im Meer taten ihrer Gesundheit gut. Darum trainierte sie diese Extremsportart immer intensiver und erreichte die höchste Stufe der Ausbildung zum Senior Surf Coach.

All dieses vielseitige Wissen hilft ihr heute, in einer Extremsituation, immer wieder neue Überlebensstrategien zu entwickeln.

Seit Kleinkind leidet Karin an Allergien. Mit den Jahren kamen immer mehr Auslöser für allergische Reaktionen dazu. Die Symptome zeigen sich bei ihren Organen Lunge, Magen und Darm (Schmerzen, Atemschwierigkeiten, extreme Verdauungsprobleme), bei der Haut und den Schleimhäuten bis zu Auswirkungen auf das Gehirn (Schwierigkeiten beim Sprechen oder sogar Bewusstlosigkeit). Mit 11 Jahren hat ein Fachspezialist ihre Lunge mit derjenigen eines 69jährigen Kettenrauchers verglichen.

Karin reagiert zeitweilig so hyperallergisch, dass sie nur noch wenige sterile Lebensmittel getrocknet oder aus Konservendosen essen kann. 

Dazu kommen Reaktionen vor allem auf Staub, Milben, Schimmel, Blütenstaub, Holz, kosmetische Produkte, chemische und petroleum-basierte Dämpfe und Gerüche von Benzin, Farben und Lackierungen, Waschmitteln oder erwärmten Plastikartikeln.

Die grösste Herausforderung ist die allergische Reaktion auf Bakterien, welche sich in Feuchtigkeit und Süßwasser vermehren. Solche Bakterien gibt es auch in ihrem eignen Schweiß. Dies führt dazu, dass Karin nur wenige Kleidungsstücke tragen kann und diese täglich waschen und zusätzlich unter starkem UV-Licht trocknen muss. Auch reagiert sie auf Gegenstände, welche sie zuvor berührt hat und die dadurch mit Bakterien verunreinigt wurden. Nur Gegenstände aus Glas, Stahl oder Stein kann sie problemlos reinigen und wiederholt verwenden.

Die Reaktionen sind so stark, dass Karin in keinem geschlossenen Raum leben kann. Sie „wohnt“ ausserhalb der Zivilisation, meistens unter freiem Himmel, oft nur durch eine Plane oder einen Schirm vor Regen und Wind geschützt. 

Aus klimatischen Gründen muss sie ihren Wohnort mehrmals pro Jahr wechseln. 

Der nebenstehende Link zu einem 5-minütigen Kurzfilm, aufgenommen mit dem iPhone von Dr. Asha Burkett, zeigt Karin in ihrem Winterquartier in Westaustralien im Jahre 2017.

Seit den Filmaufnahmen hat sich die Situation für Karin nochmals verschlechtert. Die extreme Verschärfung der Krankheit in den letzten Jahren erschwert ihr Leben massiv. Wegen ihrer gesundheitlichen Probleme kann sie mittlerweile nicht mehr als Outdoor Educator in der Wildnis arbeiten. Sie erteilt wenn möglich Surfunterricht oder gibt ihr Wissen über das Meer an Schüler weiter.

Karin ist bei verschiedenen Spezialärzten in Behandlung. Ihre gesundheitlichen Probleme sind belegt und von den Behörden anerkannt. Sie erhält eine Australische und Schweizerische Teil-Invalidenrente. Die Ursache der Hyperallergie ist unklar. Vermutet wird ein Zusammenhang mit den starken Immunblockern, welche ihrem Vater, einem der ersten Nierentransplantierten, verschrieben wurden.

Auch in der Familie ihrer Mutter gibt es Allergien und Hypersensibilität. 

Der einzige Ort, an dem sich Karin erholen kann, ist im Salzwasser. Dort kann sie alle Allergene wirkungsvoll abwaschen. Das tiefe Einatmen der Meerluft und das Durchspülen aller Schleimhäute mit Salzwasser sind Balsam für ihren Körper. Zusätzlich putscht das Adrenalin beim Surfen von schwierigen Wellen ihren Körper auf und gibt ihr die notwendige Energie für die Bewältigung des Alltags.

In gesundheitlich guten Zeiten ist Karin eine lebensfrohe Person und begeisterte Surferin. Ihr grosses Wissen als Outdoor-Survival-Trainerin und Senior Surf Coach wird sehr geschätzt. Sie setzt sich lokal für Umweltschutzanliegen ein und gibt ihr Wissen im Umgang mit Allergien weiter. 

Ihr Mut und ihr starker Überlebenswille sind bewundernswert.

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